Lebe Deinen Traum – Mein Weg zum Winzer

Hätte man mir vor 20 Jahren gesagt, dass ich einmal Winzer sein würde, hätte ich das nicht für möglich gehalten und dabei gab es schon frühe Anzeichen dafür…

Berufsbedingt haben meine Frau und ich unseren Lebensmittelpunkt 2001 aus dem hohen Norden nach Bingen verlagert. Bereits an ihrem ersten Arbeitstag rief sie mich aus ihrem Büro an und sagte: „Von meinem Büro aus habe ich einen wundervollen Blick auf die Weinberge, das würde Dir sehr gefallen!“ Und sie hatte recht, es hat mir gefallen und kurze Zeit später fand ich auch eine Arbeit in meinem Hauptberuf als Ingenieur in der Region. Die Faszination dieser unglaublich schönen Landschaft und der Geschmack der verschiedenen Weine des Rheinhessischen Weinbaugebiets haben mich seitdem nicht losgelassen.

Daher habe ich 2013 beschlossen mehr darüber zu erfahren und eine Weiterbildung zum Thema Weinbergs- und Kellerarbeit des Winzers gemacht. Danach war das Ziel einen eigenen Wein zu kreieren, geboren. Um dieses große Ziel zu erreichen habe ich 2014 am Wein- und Sektsensorikseminar für Sachverständige der Qualitätsprüfung mit großem Erfolg teilgenommen und mein Sensorikzertifikat erlangt: mit den sensorischen Voraussetzungen, sodass ich offiziell in die Prüfungskommission für amtliche Qualitätsweinprüfung gerufen werden kann.

Ich kann nicht sagen, dass mein Wissensdrang komplett gestillt wurde, aber ich wusste, dass ich irgendwann die Theorie auch mal in die Praxis umsetzen muss… Unsere heimische Küche habe ich also kurzer Hand in einen Weinkeller umfunktioniert und die mit Hilfe von Weingärballons produzierten Fruchtweine der kritischen Jury, bestehend aus meiner Familie und meinen Freunden, bei Wanderungen durch die heimischen Weinberge angeboten. Mein Wissensdrang und die Geduld meiner Frau haben sich ausgezahlt. – Die Jury war begeistert.

Doch ich wollte mehr! Und wie es ein glücklicher Zufall wollte kam das Glück zu mir… An einem schönen Sommertag im Rheinhessischen Hügelland während des Philosophierens über und Ausprobierens verschiedener Weine mit einem schon lang befreundeten Winzer, machte genau dieser mir ein Angebot das ich nicht ausschlagen konnte: „Du kannst ja mal eine Reihe machen!“, hat er gesagt. Und da war er, der Anstoß zu meinem Glück mich als Winzer zu probieren. Tatsächlich wurde aus nur einer „ausgeborgten Reihe“ binnen nur kurzer Zeit zahlreiche gepachtete Flächen. Daraus entstanden sind bisher u.a.:

2014-2019: Portugieser, Scheurebe, Huxelrebe, Schwarzriesling, Spätburgunder

Dies war erstmal der Warmlauf bis zwei selbst angelegte und eigens von mir bearbeitete Weinberge im Ertrag sind:

2015: Grauburgunder, Merlot, Cabernet Sauvignon auf der ersten Fläche 0,3ha

2018: Muscaris, Hibernal, Pinotin (Piwis – Pilzwiderstandsfähige Reben) auf der zweiten Fläche 0,3ha

Für den Ausbau der Weine nutze ich natürlich nicht mehr unsere Küche – dazu nutze ich nun den Weinkeller meines guten Freundes.

Meine Liebe zur Region spiegelt sich auch in meinen Weinen wieder. Sorgfältig ausgesuchter Terroir, die Mühe und Pflege meiner Weinberge sei es der Schnitt, das Anbinden der Stöcke, das Behacken des Bodens, das Aufbinden der Reben, der Sommerschnitt, das Bewässern der Jungreben, die Weinlese und vor allem der Ausbau des Weines in Edelstahltanks und Barriquefässern im Keller. Die Weinlese wird von Hand gemacht in Spätlesequalität.

All das mache ich mit Liebe, Sorgfalt und mit dem Herzen eines Winzers, einfach nur zu gern. Wer hätte das vor 20 Jahren schon gedacht …